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Das Schauspielhaus im Krieg: Eine wichtige Stimme gegen Hitler

Das Schauspielhaus im Krieg: Eine wichtige Stimme gegen Hitler19 May27 min

In Europa tobt der Zweite Weltkrieg. Die Nazis wüten, und auch die Schweiz zittert. In Zürich jedoch wird Theater gespielt. Das Schauspielhaus erlebt seinen Höhepunkt als Emigrantentheater – und wird zum Symbol der geistigen Landesverteidigung.

Nach Ferdinand Riesers Abgang durchlebt das Emigranten-Ensemble am Schauspielhaus eine unsichere Zeit, geprägt von der Angst, Arbeit zu verlieren und den Nazis in die Hände zu fallen. Kurt Hirschfeld rettet die Bühne, indem er mit einflussreichen Bürgern und Stadtpräsident Emil Klöti die neue Schauspiel AG gründet und Gelder akquiriert. Direktor wird der als unpolitisch geltende Schweizer Oskar Wälterlin, nicht Hirschfeld, um Risiken durch den Nazi-Druck zu vermeiden. Hirschfeld arbeitet als Dramaturg.

Hirschfeld und Wälterlin gelten in den kommenden Jahren als «Dreamteam» am Schauspielhaus. Sie verzichten auf offensichtlich politische Stücke. Spielen viele Klassiker, die sie mit aktueller Bedeutung aufladen. Legendär sind der Tell von Schiller oder Götz von Berlichingen von Goethe. In beiden spielt Heinrich Gretler die Hauptrolle. Der populäre Schauspieler wird auf der Bühne fast so etwas wie das Gesicht der geistigen Landesverteidigung.

Im Mai 1940, als die Kriegsgefahr für die Schweiz besonders gross ist, setzen die beiden einen weiteren Akzent auf der Pfauenbühne. Hitler beginnt seinen Westfeldzug, und es gibt Gerüchte, dass auch die Schweiz bald an der Reihe ist. Die Zürcherinnen und Zürcher verlassen ihre Stadt in Scharen. Auch die Emigrantinnen und Emigranten haben ihre Koffer gepackt. Aber sie bleiben – und spielen. Am 18. Mai 1940 kommt es zur Premiere von Goethes Faust II. Ein Lieblingsstück der Nazis – das in Zürich ganz anders interpretiert wird. Es ist ein sehr eindrückliches Beispiel dafür, welche Kraft Theater haben kann.

Aber nicht nur mit Klassikern, sondern auch mit Erstaufführungen von Exilautoren macht das Theater von sich reden. Ein bekanntes Beispiel ist die «Mutter Courage» von Berthold Brecht - ein Antikriegsstück mit der grossen Therese Giehse in der Hauptrolle. Der Zweite Weltkrieg hat eine einmalige Situation geschaffen. Der gemeinsame Feind und die Angst schweissen alle zusammen. Emigranten-Ensemble, Zuschauerinnen und Zuschauer, Theaterleitung, Politik und Presse. Und das ist bis heute die Basis des Schauspielhaus-Mythos.

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In dieser Episode zu hören:

Dagmar Walser, SRF-Theaterredaktorin

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Recherche, Produktion und Moderation:

Vera Deragisch

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