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Folge 43: Die Folgen der "Reformen"

Folge 43: Die Folgen der "Reformen"5. Juli56 Min.

<p>Vor drei Tagen hat die Bundesregierung ein Reformpaket bestehend aus 34 Maßnahmen vorgestellt, mit dem noch der letzte Rest an Produktivität aus den Körpern der arbeitenden Menschen gequetscht werden soll. </p><p>Die gesundheitlichen und ökonomischen Folgen der Beschlüsse lassen sich ganz gut vorhersagen. Warum? Weil es 1996 einen sehr ähnlichen Versuch gab, Arbeiter*Innen zu disziplinieren, das von Schwarz-Gelb initiierte &quot;Programm für mehr Wachstum und Beschäftigung&quot;. Damals wurde die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von 100% auf 80% gesenkt. Die Begründung damals war beinahe wortgleich mit der von vor drei Tagen: Die Leute würden zu wenig arbeiten, Deutschland habe einen Wettbewerbsnachteil, es braucht mehr Produktivität und Investitionen. </p><p>Nicolas R. Ziebarth und Martin Karlsson haben untersucht, zu was das 1996er Programm geführt hat und die Ergebnisse verdeutlichen, was die Folge der aktuellen Reformen sein werden: Die krankheitsbedingte Abwesenheit aufgrund von nicht ansteckenden Diagnosen ging zwar um 30% zurück, allerdings gingen Menschen mit ansteckenden Erkrankungen dafür häufiger krank zur Arbeit. Dieses als &quot;Präsentismus&quot; bekannte Phänomen bleibt in der Debatte allerdings medial völlig unterbeleuchtet.</p><p>Und das ist tatsächlich einigermaßen wahnsinnig: Präsentismus kostet ein deutsches Unternehmen pro Mitarbeiter/Jahr etwa 2400 Euro. Die Kosten für Absentismus liegen bei nur 1200 Euro pro Mitarbeiter/Jahr. Es ist also doppelt so teurer für deutsche Unternehmen, wenn Mitarbeiter*Innen krank zur Arbeit gehen im Vergleich zu dem, was Unternehmen bezahlen müssen, wenn ihre Mitarbeiter*Innen sich krank schreiben lassen. </p><p>Die Folgen von Präsentismus sind verheerend, wie die Whitehall-ll-Studie zeigt: Menschen, die regelmäßig krank zur Arbeit gehen, sind einem viel höheren Risiko ausgesetzt, chronisch zu erkranken. Auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt enorm. </p><p>Es zeigt sich also: Der deutsche Staat versucht derzeit, auf Kosten der arbeitenden Menschen, Schritt zu halten im globalen, imperialen Wettbewerb. </p><p>Quellen und Links: </p><p><br></p><p>- <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0047272717301056" target="_blank" rel="noopener noreferer">Studie</a> Folgen 1996er Programm 1</p><p>- <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0047272710001180" target="_blank" rel="noopener noreferer">Studie </a>Folgen 1996er Programm 2</p><p>- <a href="https://www.felix-burda-stiftung.de/sites/default/files/documents/Studie_FBS_Booz_Vorteil_Vorsorge_2011.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferer">Studie</a> Kosten Präsentismus </p><p>- <a href="https://www.ucl.ac.uk/brain-sciences/psychiatry/research/mental-health-older-people/projects/whitehall-ii" target="_blank" rel="noopener noreferer">Studie </a>Whitehall-ll</p><p>- Volle Kanne <a href="https://www.zdfheute.de/video/wiso/krank-zur-arbeit-100.html" target="_blank" rel="noopener noreferer">Beitrag</a> Präsentismus</p><p>- Novitas BKK <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UYQOWTJc-YI" target="_blank" rel="noopener noreferer">Erklärvideo</a> Präsentismus</p><p><br></p><p><strong></strong><a href="https://www.tixforgigs.com/de-DE/Event/74991/kunst-kampf-2-mit-olivier-david-und-jean-philippe-kindler-live-podcast-haus" target="_blank" rel="noopener noreferer"><strong>Ticketlink</strong></a><strong> für &quot;KUNST &amp; KAMPF&quot; mit Olivier David und mir in Hamburg. </strong></p><p><br></p><p>Danke fürd Zuhören/Zuschauen! </p><p><br></p>