
← DER WILDE STOIKER – Stoizismus, Gelassenheit und Selbstkontrolle31 jul · 21 min
Sei nicht feige. Andreia! (ἀνδρεία)
Im Klartext: Ohne Mut, keine Tugend, egal, wie du selbst daran glaubst.
Man könnte auch so sagen: Tugend zeigt sich nicht daran, was du tust, sondern daran, was du hättest tun können. Warum? Weil Mut immer eine bewusste Entscheidung voraussetzt. Und zwar die Entscheidung eines Individuums, anders geht es nicht. Der berühmte „Gratismut“ für Herdenmenschen ist genau das: gratis (zu bekommen) und umsonst (für die persönliche Entwicklung).
Viele halten sich für friedlich, sind aber einfach nur konfliktscheu. Hier könnte man, d. h. das betreffende Individuum selbst, fragen, warum. Eine lohnende Frage.
Eine andere gute Frage: Kann eine Tugend existieren, wenn man gar nicht anders handeln könnte?
Andreia (ἀνδρεία) ist eine der stoischen Kardinaltugenden, aber noch viel mehr. Sie ist quasi die Grundvoraussetzung für alle anderen Tugenden. Mut ist also die "ermöglichende" Tugend und setzt immer Wahlfreiheit voraus:
- Ehrlichkeit → Lüge wäre möglich
- Großzügigkeit → Geiz wäre möglich
- Gerechtigkeit → Unrecht wäre möglich
- Friedfertigkeit → Gewalt/Widerstand wäre möglich
Ohne Handlungsalternative keine Tugend!
Außerdem im Podcast:
- Friedfertigkeit oder Konfliktvermeidung?