Nur eine Frage

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Ist die deutsche Einheit gelungen, Steffen Mau?

Ist die deutsche Einheit gelungen, Steffen Mau?4 sept1 h 08 min

Der Soziologe Steffen Mau erklärt, was man bei der Wiedervereinigung hätte besser machen können und warum der Osten politisch so anders tickt.

Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.

Ist die deutsche Einheit gelungen? Wenn es um diese Frage geht, gibt es wohl kaum jemanden, der sie besser beantworten kann als unser Gast in der neuen Folge von »Nur eine Frage«.

Steffen Mau ist Soziologe, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit Oktober 2025 Direktor der Abteilung »Ungleichheit, Transformation und Konflikt« am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis, die höchstdotierte Forschungsauszeichnung Deutschlands. Seine Bücher über die deutsche Einheit sind Bestseller: 2019 »Lütten Klein – Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft«, 2023 »Triggerpunkte« und 2024 »Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt«. Er kennt die deutsche Einheit nicht nur als Forscher, sondern aus eigener Erfahrung. Geboren wurde er 1968 in Rostock, hat 21 Jahre in der DDR gelebt, war Facharbeiter für Schiffselektronik und Funker bei der Nationalen Volksarmee. Den Tag des Mauerfalls erlebte er beim Wachdienst in seiner Kaserne.

Für Steffen Mau ist die Antwort auf diese Frage nicht einfach zu finden. Die Einheit sei politisch-rechtlich gestaltet worden, in Ostdeutschland habe sich eine Demokratie entwickelt, »natürlich mit Rissen, Brüchen und politischen Unwuchten«. Trotzdem gebe es Dinge, die nicht gelungen seien. Er kommt daher zu der Antwort: Jein. Oder einem vorsichtigen Ja – mit großen Schmerzen.

Wenn man geglaubt habe, die Einheit sei dann vollendet, wenn es keine grundlegenden Unterschiede mehr gäbe – »weder sozialstrukturell noch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, noch bei Mentalitäts- und Kulturfragen« –, dann sei das eine falsche Erwartung gewesen, so Mau. »Die Unterschiede zwischen Ost und West sind ossifiziert«, sagt er und erklärt, was er damit genau meint.

Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September spricht Mau über die politische Kultur und das Parteiensystem in Ostdeutschland sowie die Ursachen des Erfolgs der AfD und des Rechtsextremismus. Es geht um gesellschaftlichen Unmut, Transformationserfahrungen, wirtschaftliche Unsicherheit und das autoritäre Erbe der DDR. Zugleich betont Mau, dass der Rechtsruck kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Er spricht über die Gründe für die Unterrepräsentation von Ostdeutschen in Spitzenpositionen – was man dagegen hätte tun können und jetzt tun sollte –, über die ökonomische Bilanz der deutschen Einheit, warum er Begriffen wie »Jammer-Ossis« skeptisch gegenübersteht und welche Entwicklungen er für die Zukunft erwartet.

Moderation: Jochen Wegner Redaktion: Sophie Hübner Visuelle Produktion: Michael Pfister   Videoproduktion: Lucie Liu, Nele Vogel, Iona YoungKamera, Schnitt und Ton: ifbbwVisual Director: Malin SchulzPhoto Director: Tina AhrensDesign: Adele Ogiermann, Jan LichteAnimation: Axel RudolphMusik: Konrad PeschmannLogo: Lea Dohle

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