
← Think Different. Think AI.16 août · 52 min
Second Brain
Ein Gast, den Mark sich lange gewünscht hat: Cornelius Illi, Product Cluster Lead für Innovation und GenAI, mit dem er sich nach eigener Aussage immer gerne unterhält und von dem er einiges lernt. Bevor es losgeht, darf Jens noch von seinem Wochenende erzählen, und das passt besser zum Thema, als ihm lieb ist. Er wollte mit seinem Sohn ein altes Computerspiel spielen, das es für den Mac nicht mehr gibt, also hat er Crossover gekauft und Claude Vollzugriff auf seinen Mac Mini gegeben. Das Ding hat die halbe Nacht durchprobiert, tausendmal gestartet, geschaut, ob es zwischen 3D-Animation und Intro-Video abstürzt, eigene Shader gebaut, Software installiert, wieder gelöscht und nebenbei die Festplatte aufgeräumt. Gespielt wurde am Ende auf dem Linux-Rechner des Sohnes. Immerhin hat Claude noch die Support-Mail für die Rückerstattung geschrieben, inklusive Liste aller Versuche, damit niemand mit „haben Sie es schon so probiert" antwortet.
Dann die Freitagabend-Frage, Bier in der Hand, jemand hat den Begriff Second Brain aufgeschnappt: Was ist das eigentlich? Cornelius holt aus. Das Konzept ist älter als die LLM-Debatte, geprägt hat es Tiago Forte mit der CODE-Methode: Capture, Organize, Distill, Express. Alles reinladen, ordnen, den Sinn herausdestillieren, am Ende etwas damit bauen. Neu ist, dass Andrej Karpathy Anfang des Jahres seinen LLM-Wiki-Ansatz vorgestellt hat und viele daraufhin gemerkt haben, dass so ein Speicher vielleicht gar nicht für den Menschen gedacht ist, sondern der perfekte Kontextspeicher für die KI. Cornelius hat genau deshalb das Capture automatisiert: 130 Quellen liefern ihm 400 bis 500 Inhalte pro Woche, die werden gerankt und bewertet, höchstens ein Drittel landet im wöchentlichen Digest, der Rest fliegt als irrelevant oder als bloßes Repackaging raus. Sogar seine LinkedIn-Likes zieht er sich zurück, über eine selbstgeschriebene App und die Betroffenenrechte, die ihm als EU-Bürger zustehen.
Und dann kommt der ehrlichste Moment der Folge. Cornelius liest seinen eigenen Digest nicht mehr. Zu viel, und es bleibt ja nicht beim Lesen, danach muss man mit der KI darüber diskutieren, um überhaupt Insights zu bekommen. Sein Befund: Kuration ist der eigentlich schwierige Teil, und der Mensch bleibt darin noch lange nötig. Die KI kann erklären, was Harness Engineering ist und wer den Begriff geprägt hat. Was sie nicht liefert, sind Best Current Practices, also die Frage, was in genau dieser Version von Modell und Harness gerade wirklich funkt